Allein verreisen war lange ein Nischenthema, oft noch mit einem leicht schiefen Blick versehen.
Davon ist 2026 nichts mehr zu spüren: Alleinreisen hat sich zu einem festen und wachsenden Bestandteil des deutschen Reisemarkts entwickelt.
Wer die Zahlen genauer betrachtet, erkennt schnell, dass Solo-Urlauber sich in vielem von Paaren und Familien unterscheiden – bei der Zielwahl, der Reisedauer, der Verpflegung und nicht zuletzt beim Preis.
Alleinreisen im Aufwind: Die aktuellen Zahlen
Die Reiseanalyse 2026 der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) beziffert den Anteil der Soloreisen im Reisejahr 2025 auf 9,6 Prozent aller Ferienreisen der Deutschen. Umgerechnet entspricht das rund 6,53 Millionen Reisen, die ohne Begleitung angetreten wurden.
Auch bei den großen Reiseveranstaltern zeigt sich der Trend deutlich: Bei Dertour entfielen im Winter 2025/26 bereits 18 Prozent aller gebuchten Urlaube auf Alleinreisende – ein bemerkenswerter Anteil, der zeigt, dass Solo-Urlaub längst kein Randphänomen mehr ist, sondern eine relevante Buchungskategorie mit eigener Dynamik.
Wer reist allein? Ein Blick auf die Zielgruppe
Das Klischee vom jungen Backpacker auf Selbstfindungstrip trifft die Realität nur bedingt.
Laut FUR-Reiseanalyse war mehr als die Hälfte der Alleinreisenden im Jahr 2025 über 60 Jahre alt, und 56 Prozent waren Frauen. Alleinreisen ist damit vor allem auch ein Thema der Lebensmitte und des Ruhestands – etwa nach dem Auszug der Kinder, nach einer Trennung oder schlicht, weil der Partner oder die Partnerin andere Reisevorlieben hat.
Bemerkenswert ist zudem:
Alleinreisen ist längst kein reines Single-Thema im klassischen Sinn. Laut europäischen Umfragen kann sich auch rund ein Viertel der Menschen in einer festen Partnerschaft vorstellen, künftig einmal ohne den Partner zu verreisen – sei es für einen Wellnessurlaub, eine Kulturreise oder einfach eine bewusste Auszeit.
Wie Alleinreisende anders buchen
Solo-Urlauber unterscheiden sich in ihrem Buchungsverhalten deutlich von Paaren und Familien:
Sie bleiben im Schnitt 13,5 Tage unterwegs – rund vier Tage länger als Reisende mit Begleitung. Ohne Rücksicht auf die Urlaubsplanung eines Partners oder die Schulferien der Kinder lässt sich die Reisedauer freier gestalten.
Sie buchen kurzfristiger. Wer allein reist, muss weniger Terminkalender koordinieren und kann spontaner entscheiden.
Zwei Drittel der Reisen ohne Begleitung fanden außerhalb der klassischen Sommermonate Juni bis August statt. Alleinreisende nutzen die Nebensaison deutlich konsequenter – teils aus Preisbewusstsein, teils weil sie zeitlich flexibler sind als Familien mit schulpflichtigen Kindern.
Der Einzelzimmerzuschlag: Der größte Kostenfaktor für Singles
Der mit Abstand größte finanzielle Nachteil beim Alleinreisen ist der sogenannte Einzelzimmerzuschlag (EZZ).
Da Pauschalreisen und Hotelpreise in der Regel auf Basis einer Doppelbelegung kalkuliert werden, verlangen Hotels und Veranstalter einen Aufpreis, wenn ein Doppelzimmer nur von einer Person genutzt wird.
In Deutschland sowie Mittel- und Südeuropa bewegt sich dieser Zuschlag meist zwischen 15 und 30 Prozent des Doppelzimmerpreises. In Fernreisezielen wie Asien, den USA oder Südamerika werden dagegen oft 100 Prozent fällig – der Alleinreisende zahlt dann faktisch den vollen Preis für zwei Personen.
Bei Kreuzfahrten fällt der Aufschlag mit teils 70 bis 100 Prozent des Grundpreises noch deutlicher aus, auch wenn einzelne Reedereien inzwischen dedizierte Einzelkabinen ohne klassische Zuschlagsberechnung anbieten.
Wer diesen Kostenfaktor umgehen möchte, hat mehrere Ansatzpunkte:
Spezielle Aktionen mit reduziertem oder entfallendem Einzelzimmerzuschlag, dedizierte Einzelzimmer oder -kabinen (die es bei modernen Hotels und neueren Schiffsklassen zunehmend gibt), sowie eine bewusste Wahl der Nebensaison, in der Veranstalter Zuschläge häufiger senken, um Restplätze zu füllen.
Beliebte Ziele und Reisezeiten für Alleinreisende
Bei der Zielwahl orientieren sich Alleinreisende teilweise an denselben Klassikern wie Paare und Familien, setzen aber eigene Schwerpunkte. Gefragt sind vor allem Ziele mit guter Infrastruktur für Einzelreisende, sicherem Umfeld und der Möglichkeit, leicht mit anderen Reisenden in Kontakt zu kommen – etwa organisierte Rundreisen oder Hotels mit Gemeinschaftsbereichen.
Die bewusste Verlagerung in die Nebensaison eröffnet zusätzlich Zugang zu ruhigeren, weniger überlaufenen Varianten der beliebten Mittelmeerziele – ein Vorteil, den Alleinreisende durch ihre höhere zeitliche Flexibilität besser nutzen können als die meisten Familien.

Sicherheit beim Alleinreisen: Worauf es ankommt
Anders als bei einer Reise zu zweit oder in der Gruppe fehlt beim Alleinreisen die zusätzliche Person, die im Ernstfall unterstützen oder einfach ein zweites Augenpaar sein kann.
Das Sicherheitsgefühl spielt deshalb bei der Zielwahl für Solo-Urlauber eine größere Rolle als bei Paaren oder Familien – besonders bei Frauen.
Der Global Peace Index 2026 des Institute for Economics and Peace bewertet 163 Länder nach Kriterien wie andauernden Konflikten, gesellschaftlicher Sicherheit und Militarisierung.
An der Spitze steht bereits seit 18 Jahren in Folge Island, gefolgt von Neuseeland, der Schweiz, Slowenien und Irland.
Auch der TUI Solo Female Travel Index 2026, der speziell auf die Bedürfnisse alleinreisender Frauen zugeschnitten ist, kommt zu einem ähnlichen Bild:
Vorne liegen Finnland und Schweden, dicht gefolgt von Österreich, Belgien und Dänemark. Bewertet wurden dabei unter anderem das nächtliche Sicherheitsgefühl, die Gleichberechtigung und die Qualität des öffentlichen Nahverkehrs.
Wichtig für die Einordnung:
Ein niedrigerer Platz im Gesamt-Ranking eines Landes bedeutet nicht automatisch, dass beliebte Urlaubsregionen unsicher sind.
Klassische Pauschalreiseziele wie die Türkische Riviera, Hurghada oder touristische Zonen in Tunesien verfügen in aller Regel über etablierte, gut überwachte Tourismusinfrastrukturen mit hohem Sicherheitsstandard – auch wenn das jeweilige Land im globalen Friedensindex nicht an der Spitze steht.
Die Sicherheitslage kann sich zudem innerhalb eines Landes und über die Zeit stark unterscheiden.
Wer sich vor der Buchung informieren möchte, sollte deshalb nicht allein auf Ranglisten schauen, sondern die aktuellen Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts für das konkrete Zielgebiet prüfen – diese werden laufend aktualisiert und sind die verlässlichste Quelle für die tagesaktuelle Lage.
Praktische Sicherheitstipps für Alleinreisende:
- Vor der Buchung die aktuellen Reisehinweise des Auswärtigen Amts für das Zielland checken
- Unterkunft möglichst zentral und in belebten, gut erreichbaren Lagen wählen
- Wichtige Daten (Reiseroute, Unterkunft) mit einer Vertrauensperson zu Hause teilen
- Nachts unbeleuchtete oder wenig frequentierte Gegenden meiden
- Bei geführten Rundreisen oder Gruppenangeboten für Alleinreisende von der zusätzlichen Sicherheit durch die Gruppe profitieren
Warum Alleinreisende häufiger zu All Inclusive greifen
Ein auffälliges Muster im Buchungsverhalten:
Solo-Urlauber entscheiden sich überdurchschnittlich häufig für All-Inclusive-Angebote.
Der Grund liegt auf der Hand – ohne eine zweite Person, mit der man sich Kosten und Planung teilen kann, bietet All Inclusive Alleinreisenden ein festes, kalkulierbares Tagesbudget und reduziert den Organisationsaufwand im Urlaub spürbar.
Wie groß der Preisunterschied zwischen All Inclusive und Halbpension tatsächlich ausfällt und für wen sich welche Variante lohnt, wurde im Beitrag „All Inclusive oder Halbpension: Was lohnt sich wirklich?“ im Detail eingeordnet.
Fazit
Alleinreisen ist 2026 kein Nischentrend mehr, sondern ein fester Bestandteil des Reisemarkts – getragen vor allem von Menschen über 60 und mehrheitlich von Frauen.
Wer allein verreist, gewinnt an Flexibilität bei Reisedauer und Zeitpunkt, zahlt dafür aber häufig einen spürbaren Aufpreis durch den Einzelzimmerzuschlag.
Sicherheit spielt bei der Zielwahl eine zentrale Rolle, wobei etablierte Pauschalreiseziele auch bei nicht ganz oben platzierten Ländern meist gut überwachte, sichere Tourismuszonen bieten.
Wer gezielt nach Aktionen sucht, die Nebensaison nutzt, aktuelle Sicherheitshinweise prüft oder auf dedizierte Einzelzimmer setzt, kann den Alleinurlaub finanziell attraktiver und sicherer gestalten.
Häufige Fragen (FAQ)
Laut Reiseanalyse 2026 der FUR waren 2025 rund 9,6 Prozent aller Ferienreisen Soloreisen, umgerechnet etwa 6,53 Millionen Reisen. Bei einzelnen Reiseveranstaltern liegt der Anteil saisonal sogar bei bis zu 18 Prozent.
Mehr als die Hälfte der Alleinreisenden ist über 60 Jahre alt, 56 Prozent sind Frauen. Auch ein Viertel der Menschen in fester Partnerschaft kann sich vorstellen, gelegentlich allein zu verreisen.
In Europa liegt er meist zwischen 15 und 30 Prozent des Doppelzimmerpreises, in Fernreisezielen wie Asien oder den USA häufig bei 100 Prozent.
Durch gezielte Aktionsangebote mit reduziertem Zuschlag, dedizierte Einzelzimmer oder -kabinen sowie durch Reisen in der Nebensaison, in der Veranstalter Zuschläge häufiger senken.
Laut Global Peace Index 2026 zählen Island, Neuseeland, die Schweiz, Slowenien und Irland zu den friedlichsten Ländern der Welt. Für alleinreisende Frauen führen laut TUI Solo Female Travel Index 2026 Finnland und Schweden das Ranking an, gefolgt von Österreich, Belgien und Dänemark.
Weil All Inclusive ein festes, planbares Tagesbudget bietet und den Organisationsaufwand reduziert – ein Vorteil, der besonders ohne Reisebegleitung ins Gewicht fällt.
